Hyposensibilisierung - Immuntherapie

Allergien nehmen zu - wirksame Therapien lassen hoffen

Nies- und Juckreiz, tränende Augen oder gar Atemnot.... immer mehr Menschen leiden an den Symptomen des Heuschnupfens oder allergischen Asthmas. Eine dänische Langzeitstudie zeigte kürzlich auf, daß Allergien gegen Pollen, Milben oder Tierhaare heutzutage 3mal häufiger auftreten als noch vor 10 Jahren. Die quälenden Symptome können zwar mit sog. Symptomatika gelindert werden, doch können diese Medikamente nicht das Übel an der Wurzel packen. Hierzu wird seit über 80 Jahren die Hyposensibilisierung (auch spezifische Immuntherapie genannt) eingesetzt: eine Gewöhnung des Immunsystems in kleinen Schritten an die speziellen Substanzen, auf die es überreagiert (Allergene). Und in diesen 80 Jahren hat sich viel getan.........

 

Pollen - ganz oben auf der Hitliste der Allergene

In Deutschland leidet bereits jeder Dritte an Heuschnupfen. Kaum zu glauben: Pollen können bei trockenem, windigem Wetter bis zu mehreren Hundert Kilometern weit getragen werden!

Die wichtigsten allergieauslösenden Pollen stammen von Birke, Erle, Hasel, verschiedenen Gräsern, Roggen und den Kräutern Beifuß und Wegerich. Je nach Blütezeit kommt es zu unterschiedlichen "Beschwerdezeiten", vor allem jedoch im Frühjahr und Sommer.

Milben - in jedem noch so sauberen Haushalt zu finden. Von zehn der über 30.000 Arten dieser winzigen Spinnentiere weiß man, daß sie Allergien auslösen können. Nicht die kaum sichtbaren Milben selbst, sondern der getrocknete Kot ist dafür verantwortlich. Milben ernähren sich von menschlichen Hautschuppen, Schimmelpilzen und Nahrungskrümeln.

Tierhaare und -schuppen vor allem von Katzen, Hunden, Meerschweinchen, Hamstern sowie Federn von Wellensittichen können ebenso Allergien auslösen. Diesen Tieren sollte man möglichst aus dem Weg gehen.

Auch Nahrungsmittelallergiker können, nach einer guten Diagnostik seitens des Facharztes, "ihr" Allergen meiden. Wespen- oder Bienengiftallergiker haben es da schwerer.......

 

Spezifische Immuntherapie - Tropfen oder Spritze

Allergien können zu ernsten, lebensbedrohenden Beschwerden führen. So besteht bei Heuschnupfen die Gefahr, daß die Entzündung allmählich auf die tieferen Atemwege, die Bronchien übergreift und sich letztlich daraus ein Asthma bronchiale entwickelt. Wird eine Allergie nicht frühzeitig und konsequent behandelt, können sich chronische Organschäden entwickeln (z.B. Lungenblähung als Folge des Asthma bronchiale), die dann nur noch medikamentös gelindert, jedoch nicht mehr geheilt werden können.

Therapeutisch kann man einerseits durch Antihistaminika/Antiallergika die Symptome der allergischen Reaktion lindern, andererseits durch eine spezifische Immuntherapie (auch als Hyposensibilisierung bezeichnet) die Ursachen der Allergie bekämpfen. Will man jedoch an die Wurzel des Übels, so kann man entweder strikt dem betreffenden Allergen aus dem Weg gehen - was leider meist nicht durchführbar ist - oder der behandelnde Facharzt kann eine spezifische Immuntherapie beginnen. Besonders bei Heuschnupfen ist die spezifische Immuntherapie hochwirksam - mit dieser Therapie lassen sich 80-90% der pollenbedingten Allergien erfolgreich behandeln.

Bei dieser Behandlung bekommt der Patient die für ihn aktuellen Allergene in steigender Dosierung so lange verabreicht, bis er auf diese Allergene nicht mehr oder nur noch geringfügig mit allergischen Krankheitserscheinungen reagiert. Die Therapielösung wird entweder vom Arzt unter die Haut gespritzt oder eigenständig als Tropfen eingenommen - natürlich unter ärztlicher Kontrolle.

Seit einiger Zeit erfreut sich gerade die spezifische Immuntherapie mit Tropfen (sublinguale Immuntherapie) steigender Beliebtheit. Dies ist nicht zuletzt der bequemen Anwendung, der guten Verträglichkeit und Wirksamkeit der modernen Präparate zu verdanken. Damit das Immunsystem sich an die Allergene gewöhnen kann, muß eine sublinguale Immuntherapie sehr gewissenhaft, in festgelegten Zeitabständen durchgeführt werden. Dies geschieht in zwei Behandlungsstufen.

Grundbehandlung: Phase der Dosissteigerung (steigende Anzahl der Tropfen, dadurch steigende Dosis der Allergene).

Erhaltungstherapie: die höchste individuelle Allergendosis der Grundbehandlung wird (im Normalfall über drei Jahre) beibehalten und nicht mehr erhöht. Die Tropfen werden nach einem vorgegebenen Schema morgens nüchtern vor dem Zähneputzen eingenommen.

Wichtig: obwohl Sie diese Therapie zu Hause durchführen, sollten Sie Ihren behandelnden Arzt alle drei bis vier Monate regelmäßig aufsuchen. Diese sublinguale Form der spezifischen Immuntherapie eignet sich für Kinder ab dem 2. Lebensjahr und besonders für Berufstätige mit wenig Zeit und Menschen, die viel reisen.

 

Die Allergie-Impfung - Zukunft oder schon Realität

Früher dauerte eine spezifische Immuntherapie sehr lange, oftmals mußte der Patient über das gesamte Jahr hinweg zur "Hypo" gehen. Und das mindestens drei Jahre lang. Doch auch hier hat die 80jährige (Weiter-) Entwicklung der subkutanen spezifischen Immuntherapie (per Spritze unter die Haut des Oberarmes) nicht halt gemacht. Seit einiger Zeit steht eine hochwirksame Therapieform bei Pollenallergien zur Verfügung, die als "Allergie-Impfung" bezeichnet werden kann - mit nur noch vier Spritzen pro Jahr.

Empfohlen werden jeweils vier Injektionen, über drei Jahre hinweg. Auch Kinder ab sechs Jahren können mit diesem verträglichen Präparat behandelt werden. Ihr Arzt kann diese Allergie-Impfung ganz speziell auf Ihre Bedürfnisse, sprich allergieauslösende Pollen, zuschneiden. Zur Verfügung stehen bislang Birke, Erle, Hasel, Gräser, Roggen, Beifuß und Wegerich.

Das Besondere an dieser Therapieform ist ein innovativer Stoff, der der Allergenlösung zugesetzt wird und die Wirkung der spezifischen Immuntherapie verstärkt.

Die Allergie-Impfung bringt Ihnen als Patient entscheidende Vorteile:

Sie sparen Zeit - nur vier Injektionen, also drei Wochen Behandlungszeit pro Jahr.

Die standardisierte Therapie ist gut verträglich.

Ihr Arzt kann die Mischung der Allergene ganz speziell auf Ihre "Quälgeister" abstimmen.

Diese innovative Therapieform eignet sich für Erwachsene und Kinder ab 6 Jahren. Wegen der kurzen Dauer kann die Allergie-Impfung bei Spätentschlossenen auch noch kurz vor dem Beschwerdezeitraum (Pollenflug) gestartet und abgeschlossen werden.

Die Forschung und Entwicklung von hochwirksamen Therapieformen gegen Allergien geht ständig weiter. Wie eingangs schon gesagt: Wer die Wahl hat, hat die Qual! Doch wer möchte auf diese Vielfalt der modernen Medizin heute noch verzichten?