Patienteninformation Allergie (Überempfindlichkeit)

Unter Allergie versteht man eine Überempfindlichkeit (Sensibilisierung) gegen normalerweise harmlose Stoffe der Umgebung, Allergene (Antigene), auf die das Immunsystem mit einer starken Abwehr, der allergischen Reaktion, antwortet. Diese Abwehr kann zu unterschiedlichen Krankheitsbildern führen, die auch lebensbedrohlich sein können (z. B. Allergien auf Bienen- oder Wespengifte, Arznei- oder Nahrungsmittel). Häufige Allergene mit natürlichem Ursprung sind z.B. Blütenpollen, Tierhaare, Insektengifte, Pflanzenteile oder deren Inhaltsstoffe. Andere sind Umwelt- oder Berufsstoffe und Stoffe chemischen Ursprungs, wie Metalle (vorrangig Nickel), Konservierungs-, Duft- oder Farbstoffe. Letztere führen überwiegend zu allergischen Reaktionen an der Haut.

 

Allergien haben insbesondere im letzten Jahrzehnt in den westlichen Ländern stark zugenommen. Heute soll bereits jedes 10. Kind eine Allergie bzw. Asthma haben. Als Ursachen hierzu werden u. a. die gestiegene Hygiene, Kleinfamilien, gestiegene Menge der Reizstoffe in allen Alltagsbereichen und der Umwelt diskutiert.

 

Wahrscheinlich hängt die Auslösung einer Allergie aber auch von dem Allergen selbst und seiner allergischen Potenz, der Konzentration und Häufigkeit mit der es auf oder in den Organismus gelangt ab und natürlich von der individuellen Veranlagung einer Person.

 

Zwei Typen der Allergien haben besondere Bedeutung: der Soforttyp (Typ I) und der Spättyp (Typ IV).

Eine Allergie vom Typ II ist eine Reaktion des Körpers, bei der es häufig durch Medikamente bedingt zur Auflösung von Zellen, insbesondere Blutzellen kommt (Reaktion vom zytotoxischen Typ). Der Vorgang läuft über die Bildung von Antikörpern und bestimmter immunologischer Faktoren (Komplement). Im weitesten Sinne gehört die Blutgruppen-Unverträglichkeit in diese Kategorie.

Die Typ III-Allergie ist gekennzeichnet durch die Bildung von Immunkomplexen aus Antikörpern. Über eine Aktivierung von immunologischen Faktoren kommt es zur Entzündung und zu Gefäß- sowie Gewebeschädigung. An der Haut zeigen sich solche Ereignisse durch eine entzündliche Hautrötung. Allgemeinerscheinungen wie Abgeschlagenheit und Fieber können hinzu kommen.

Allergie vom Soforttyp - Typ I-Allergie

 

Bei der Soforttyp-Allergie wird die allergische Reaktion meist unmittelbar nach der Aufnahme des Allergens in den Körper oder dem Kontakt mit den Schleimhäuten (Augen, Nase) wahrgenommen. 20 - 30 Minuten können als häufigste Zeitspanne angenommen werden, aber insbesondere bei Nahrungsmitteln, z. B. Gewürzen oder nach der Einnahme von Arzneimitteln treten die Symptome auch erst nach einigen Stunden auf. Die Auswirkungen können relativ leichter Art sein, z. B. Augentränen oder Hautjucken (Nesselsucht). Augenmerk muss auf solche Reaktionen gerichtet werden, die mit einem sehr starken Wärmegefühl und Hautkribbeln, der Beeinträchtigung des Kreislaufs oder mit Atemnot einhergehen. Notärztliche Hilfe ist hier angezeigt, da die Maximalvariante, der anaphylaktische Schock, zu einem kompletten Kreislaufversagen mit tödlichem Ausgang führen kann.

Zurückzuführen sind die Symptome auf eine übermäßige Bildung von spezifischen Antikörpern, dem Immunglobulin-E (IgE I) durch das Immunsystem. Diese Antikörper heften sich über die Blutbahn an Mastzellen, um dort "ihr" Allergen, z. B. Birkenpollen, "abzufangen". Diese "Brückenbildung" löst über mehrere biochemische Vorgänge an der Zellmembran und im Zellinnern u. a. die Freisetzung von Histamin aus. Histamin und andere Botenstoffe setzen dann den weiteren Entzündungsprozess und die Auslösung von Juckreiz in Gang. Die Antigen-Antikörper-Reaktion kann man sich als Schlüssel-Schloss-Reaktion vorstellen.

Antigen-Antikörper-Reaktion und Ausschüttung der Botenstoffe

Zu den Erkrankungen vom Soforttyp zählen:

  • Heuschnupfen
  • Allergische Augenbindehautentzündung (Konjunktivitis)
  • Allergisches Asthma
  • Hautausschläge, meist am ganzen Körper (Nesselsucht, Urtikaria)
  • Quincke-Ödem (Anschwellen der Schleimhäute)
  • Unverträglichkeit auf Nahrungsmitteln oder deren Zusatzstoffe
  • Unverträglichkeit auf Arzneimittel
  • Anaphylaktischer Schock

Jede dieser Reaktionen muss spezifisch behandelt werden. Im wesentlichen verhindern die sogenannten Antiallergika die Freisetzung von Histamin durch IgE. Bei Personen mit bekannter Wespen- oder Bienengiftallergie oder Nahrungsmittelallergien wird der Arzt ein "Notfallset" verordnen. Dieses sollte dann immer bei sich getragen werden.

Bei manchen Allergien, z. B. durch Gräserpollen, ist es möglich, eine Besserung durch eine Immuntherapie, Hyposensibilisierung, zu erreichen. Diese Behandlungen sollten von allergologisch geschulten Fachärzten, wie z. B. Hautärzten, durchgeführt werden.

 

Allergie vom Spättyp - Typ IV-Allergie

Bei der Spättyp-Allergie zeigen sich im Gegensatz zu den Soforttyp-Allergien die Symptome in der Regel erst nach einem Tag oder noch später. Deshalb nennt man diese Allergene auch Allergie vom verzögerten Typ. Der Hautkontakt mit den Allergenen (Kontaktallergie) löst eine Entzündungsreaktion aus, an der Immunzellen (z. B. Langerhans-Zellen) beteiligt sind. Das Krankheitsbild ist das allergische Kontaktekzem. Die Entzündung beim Kontaktekzem ist immer mit einem starken Juckreiz verbunden. Sie ist geprägt von: Rötung, Schuppung, Schwellung (Ödem), Papeln, Bläschen oder Knötchen. Nur an der Stelle, an der ein Hautkontakt tatsächlich stattgefunden hat, treten diese Hautreaktion neu auf.

Alle Stoffe der Umwelt, der alltäglichen Gebrauchsmittel oder der Berufswelt kommen grundsätzlich als Kontaktallergene in Frage. Allergische Kontaktekzeme nehmen eine führende Stelle bei den Berufskrankheiten ein. Insbesondere Berufe, bei denen ein hoher Anteil der Arbeiten im feuchten Milieu erfolgen, begünstigen die Entwicklung einer Hautallergie. Hiervon betroffen sind u.a. Friseure, Krankenschwestern, Metallarbeiter oder Reinigungskräfte. Untersuchungen lassen vermuten, dass sich auf der Grundlage der chronisch-toxischen Reizung eine gestörte Hautbarriere entwickelt, die eine Überempfindlichkeit begünstigt.

Aber auch Inhaltsstoffe von Kosmetika oder Pflanzen, Kleidung oder Schmuck lösen allergische Hautreaktionen aus.

Das häufigste Allergen in der westlichen Welt ist Nickel, da es in Knöpfen und Modeschmuck vielfältig auf der Haut getragen wird.

 

Eine seltene Sonderformen des allergischen Kontaktekzems ist das photoallergische Kontaktekzem. Erst durch die Sonnen-(UV-)Bestrahlung wird ein Stoff zum (Photo-)Allergen.

Tipps

Wenn Sie vermuten, dass Ihre Haut auf ein bestimmtes Produkt allergisch reagiert, suchen Sie am besten einen Hautarzt auf. Der Hautarzt wird sehr wahrscheinlich einen Epicutantest durchführen, um eine Kontaktallergie auszuschließen bzw. um den allergieauslösenden Stoff zu identifizieren. Der Epicutantest ist die einzige Möglichkeit, die dem Hautarzt zur Verfügung steht, eine Kontaktallergie festzustellen.

Alle medikamentösen Therapien lindern nur die Symptome, z.B. die Entzündung, den Juckreiz. Ansonsten hilft nur die zukünftige Vermeidung des Hautkontaktes mit dem Stoff, der die Allergie auslöst.

Durch die dauerhafte Vermeidung, mit dem Allergen in Kontakt zu kommen, kann sich die Empfindlichkeit verringern. Mit anderen Worten: bei erneutem Kontakt kann es längere Zeit dauern, bis wieder eine Kontaktallergie auftritt.

Die meisten Kontaktekzeme haben keinen allergischen Ursprung. Selbst häufiger Kontakt mit Wasser kann die Hautbarriere so nachhaltig beeinflussen, dass ein Ekzem entstehen kann. Daher ist eine gute Haut-/Handpflege, insbesondere in Feuchtberufen (z.B. bei Friseuren, Krankenschwestern/ -pflegern) sehr wichtig. Beim Eincremen der Hände sollten die Fingerzwischenräume und "Schwimmhäute" nicht vergessen werden.